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Eine Widerlegung des Dispensationalismus


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3 Antworten in diesem Thema

#1
Rolf

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Das Wort richtig austeilen. Eine Widerlegung des Dispensationalismus





Viele Christen werden wohl das Wort Dispensationalismus nie gehört haben, und dennoch bestimmt diese Lehre vielleicht mehr als sie denken ihr eigenes Verständnis der Bibel.

Eigentlich könnte man dieses eher technische Wort so umschreiben: Lehre der Haushaltungen oder der Zeitalter. Die Dispensationalisten verstehen die Heilsgeschichte als eine Abfolge von Zeitaltern, die oft wenig miteinander zu tun haben : es gibt zum Beispiel das Zeitalter des mosaischen Gesetzes, das Zeitalter der Gnade oder das Zeitalter des tausendjährigen Reichs.

Die meisten Reformierten vertreten eine andere Ansicht: die sogenannte Theologie des Bundes.

Es ist aber nicht so, dass die Lehre des Dispensationalismus einheitlich ist. Wir finden einige Variationen:
•C.I. Scofield sieht zum Beispiel als Hardliner 7 Zeitalter: Unschuld, Gewissen, menschliche Regierung, Verheißung, Gesetz, Gnade, Königreich.
•E.W. Bullinger (nicht der Reformator!) unterteilt die Bibel so: Gott redet direkt zu einzelnen Menschen, Gott redet durch Propheten zu Israel, Gott redet durch seinen Sohn Jesus zu Israel, Gott redet durch die Apostel zu Israel, Gott redet durch Paulus zu den Nationen, Gott redet durch Johannes zu Israel.
•In der Praxis werden wir oft mit einer vereinfachten Version zu tun haben: Zeitalter Israels, Zeitalter der Gemeinde, Tausendjähriges Reich.

Der Dispensationalismus ist relativ neu. Er ist wahrscheinlich im Kopf des genialen Denkers John Nelson Darby entstanden, in einem Jahrhundert, in dem die Hohe Kritik und die aufkommende Evolutionstheorie die Autorität der Bibel stark unterminierten. Darby hatte eigentlich eine „gute“ Absicht: er wollte die Heilige Schrift in Schutz nehmen. Bekannt ist die Lehre vor allem durch Autoren wie Macintosch, Scofield, Gaebelein, Ironside, Chafer, Walvoord und Ryrie geworden.

Der Dispensationalismus hat in bibeltreuen Gemeinden einen Riesenerfolg gehabt, so dass er heutzutage in vielen evangelikalen Gemeinden so wie im Pietismus fast unangefochten und mit viel Dreistigkeit vertreten wird. Ich schätze zum Beispiel jemand wie Karl-Hermann Kauffmann sehr, aber ich muss ihn leider widersprechen, wenn er sagt:


Die meisten Irrtümer in der Bibelauslegung resultieren aus der Verwechslung von Israel und Gemeinde1.

>>> Was ich in diesem Artikel zeigen möchte ist, dass Dispensationalismus, egal in welcher Form, wenig mit der gesunden Lehre der Bibel zu tun hat, wie sie uns von den Aposteln übermittelt wurde. <<<

Falsche Hermeneutik

Kommen wir zuerst zum entscheidenden Punkt! Die Befürworter des Dispensationalismus verwenden einfach eine falsche Hermeneutik. Das Wort Hermeneutik kommt übrigens vom griechischen hermeneuein und bedeutet Interpretation oder Auslegung eines Textes.

Dispensationalisten beziehen sich oft auf folgende Stelle in 2 Timotheus 2,15:

Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht austeilt.

Das Verb für „austeilen“ heißt auf griechisch orthotomeo und bedeutet „gerade schneiden“. Daraus interpretieren die Dispensationalisten, dass wir zwischen den Haushaltungen der Heilsgeschichte richtig unterscheiden müssen, wenn wir die Bibel verstehen wollen. Dazu gehört, dass die Prophetien des Alten Testaments sich grundsätzlich auf Israel beziehen und dass die Zeit der Gemeinde ein Einschub in der Heilsgeschichte ist.

In Wirklichkeit bedeutet der Vers 15 von 2 Timotheus ganz einfach: die Botschaft von der Wahrheit unverfälscht weitergeben, wie die Neue Genfer richtig übersetzt. Wir meinen, dass dies bei der Hermeneutik der Dispensationalisten nicht zutrifft.

Ist die Hermeneutik der Dispensationalisten bibeltreu?

Während die historischen Millenialisten oft inkonsequent sind und die Reformierte in eine willkürliche Allegorisierung verfallen, behaupten die Dispensationalisten auf dem Gebiet der Hermeneutik bibeltreu zu sein,:
•Sie sind die einzigen, die das Wort Gottes grammatisch-historisch auslegen.
•Da die Prophetien über Jesu erstes Kommen sich wörtlich erfüllt haben, müssen sich alle anderen alttestamentlichen Prophetien auch wörtlich erfüllen.

Ist es aber wirklich so, dass die Dispensationalisten die Bibel immer wörtlich auslegen? Bei weitem nicht! Wer oft Brüdergemeinden besucht hat, wird sicherlich festgestellt haben, dass sie eine extrem typologische Auslegung der historischen Berichten haben. Ich gebe dazu ein Beispiel: Simson ist z.B. ein Typus Jesu, weil er durch seinen Tod mehr Feinde (Philister!) getötet hat als während seinem Leben (siehe Richter 16,30).

Darüber hinaus machen sie überall subtile und jedoch fragwürdige Unterscheidungen:
•Das Himmelreich ist nicht immer das Reich Gottes.
•Der Tag Christi (1.Wiederkunft) ist nicht der Tag des Herrn (2. Wiederkunft).
•Die Braut Christi (Gemeinde) ist nicht die Braut Jehovas (Israel).

Ist es nicht irgendwie ein grobes Vorurteil zu sagen, dass die Bibel immer wörtlich verstanden werden muss? Gibt es nicht in der Heiligen Schrift zahlreiche Metaphern?

Wie sollen wir den Psalm 1 verstehen, wenn wir lesen?


Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht…

Es wäre lächerlich zu behaupten, dass ein gottesfürchtiger Mensch tatsächlich ein Baum ist. Könnte es nicht sein, dass wir mit einer ähnlichen Textgattung zu tun haben, wenn wir z.B. in Jesaja 35 lesen?:


Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien… es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. (V. 1;6)

oder muss sich diese Prophetie vollständig wörtlich erfüllen, weil im Vers 5 steht: die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden?

Wer gibt uns den Schlüssel zur Interpretation der Schrift?

Die wichtigste Regel überhaupt ist die: die Bibel erklärt sich selbst! Das Neue Testament erklärt das Alte.

Nehmen wir ernst, was die Apostel durch den Geist Gottes gesprochen haben? Wenn ja, halten wir an ihrer Auslegung des Alten Testaments fest!

Im seinem Epheserbrief zeigt der Apostel Paulus, dass durch Jesus Christus die geistliche Mauer zwischen Juden und Heiden gefallen ist. Wir lesen in Epheser 2:


Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden „eines“ gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft.
Epheser 2,11-14

Dabei zitiert Paulus die Prophetie von Jesaja 57, wo Gott dem Volk Israel Heilung verspricht:


Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
Jesaja 57,19

Im Galater 3 fügt er noch hinzu, dass auch Christen Abrahams Kinder sind:


Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.
Galater 3,28-29

In Galater 4 zeigt er, wie sich die Prophetie von Jesaja 54 erfüllt hat.


Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest! Denn du wirst dich ausbreiten zur Rechten und zur Linken, und deine Nachkommen werden Völker beerben und verwüstete Städte neu bewohnen.
Jesaja 54,2-3

Er erklärt uns eindeutig, wer die Frau Jehovas ist: das ist die himmlische Jerusalem und ihr Christen seid auch ihre Kinder:


Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter… Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.
Galater 4,28

In Römer 15 zitiert Paulus viele Prophetien aus dem Alten Testament, um zu zeigen, dass Gott die Heidenvölker angenommen hat: Psalm 18,50; 5.Mose 32,43; Psalm 117,1; Jesaja 11,10.

In Apostelgeschichte 15,14-18 sieht Jakobus die Bekehrung der Heiden als die Wiederherstellung der Hütte Davids und bezieht sich auf eine Prophetie aus Amos 9,11-12 .

Wir könnten noch zahlreiche Beispiele geben, aber wir kommen lieber zum entscheidenden Punkt: Warum wenden die Apostel so viele alttestamentliche Prophetien kategorisch auf die Gemeinde an, wenn sie sich wörtlich nur auf Israel beziehen?

Israel und Gemeinde

Ist es wirklich so, dass die meisten Irrtümer in der Bibelauslegung aus der Verwechslung von Israel und Gemeinde resultieren, wie K.-H. Kaufmann behauptet?

Ich möchte in diesem Kapitel zeigen, dass die Kirche (die Gemeinde) die Fortsetzung des alttestamentlichen Volkes Gottes ist. Ich meine keineswegs, dass die Kirche das Volk Israel ersetzt hat (keine Substitution also!), sondern dass eine gewisse Kontinuität zwischen dem Volk Gottes im Alten Testament und dem Volk Gottes im Neuen Testament besteht.

Dispensationalisten betonen, dass der Name Israel sich immer auf die leiblichen Nachkommen Abrahams bezieht. Der Begriff Israel Gottes, den wir im Neuen Testament finden (Galater 6,16), sollte deshalb nur auf messianische Juden angewandt werden.

Die tragende Säule ihrer Theologie finden die Dispensationalisten in Epheser 3,1-10 und in Kolosser 1,26. Wenn es so wäre, sagen sie, dass die alttestamentlichen Prophetien das Heil der Nationen vorausgesagt hätten, warum sagt Paulus dann, dass im Alten Testament die Gemeinde noch ein Geheimnis war, dass sie also verborgen war? Wenn die Apostel alttestamentliche Prophetien auf die Gemeinde beziehen, ist es nur weil die Prophetie auch eine sekundäre (abgeleitete) Anwendung finden kann. Die primäre (eindeutige) Anwendung betrifft aber nur Israel.

Bevor wir erklären, was sich unter dem Begriff Israel verbirgt, behandeln wir diesen wichtigen Kritikpunkt!

Das Wort für „Geheimnis“ ist mysterion und das Verb hinter „kundgemacht“ ist gnorizo. Mit mysterion ist nicht gemeint, dass die Idee eines neuen Gottesvolkes nie mitgeteilt wurde, sondern dass dieses Konzept für das alte Volk sehr schleierhaft war, wie wenn eine Skulptur noch verhüllt ist; man sieht die groben Umrisse aber noch keine Details. Erst durch Apostel wie Paulus wurde dieses Geheimnis enthüllt.

Schauen wir zum Beispiel folgende Stelle aus Jesaja 52,13-15 an:

Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.

Dort lesen wir schwarz auf weiß, dass der Messias die Heiden besprengen wird (priesterliches Amt) und ihnen die Tora verkünden wird (prophetisches Amt). Paulus zitiert diese Stelle in Römer 15, 15-21 und erklärt, dass sie sich gerade durch die Weltmission erfüllt.

Oder nehmen wir auch den Psalm 47 Vers 10:


Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden

Wenn Dispensationalisten der Gemeinde Jesu den Titel Verus Israel abstreiten, dann entfernen sie sich radikal von der ganzen kirchlichen Tradition. Die Kirchenväter und die Reformatoren haben in ihrer großen Mehrheit immer betont, dass die Gemeinde wahrer Israel ist, sowie die Erwählten des Alten Bundes bereits der Gemeinde Jesu angehörten.

Aber wir wollen uns nicht nur auf eine menschliche Tradition beziehen, sondern auch diese Behauptungen biblisch belegen:

(1) In 1 Korinther 10,18 spricht Paulus von dem „Israel nach dem Fleisch“ (Israel kata sarka). Was meint er damit? Dispensationalisten sehen darunter ungläubige Israeliten. In dem Kontext wird diese Unterstellung kaum unterstützt. Paulus spricht mehrheitlich zu Heidenchristen (Gemeinde von Korinth) und bezeichnet die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten als „unsere Väter“. Was bezweckt er damit? Er zieht eine klare Parallele zwischen Israel und Gemeinde und will damit sagen: wir, aus der Gemeinde, sind das „Israel nach dem Geist“, solange wir Gott treu bleiben.

(2) In Galater 6,16 erläutert Paulus ebenso den Unterschied zwischen dem Israel nach dem Fleisch und dem Israel nach dem Geist. Die aus dem Beschneidung (das sind die Juden) sind an ihrem Fleisch beschnitten, während die wahren Kinder Gottes (ob Juden oder Heiden) an ihrem Herzen beschnitten sind. Nur die Letzten empfangen den Segen Gottes. Paulus ruft den Segen von den Psalmen 125, 5 und 128,6 auf sie herab.


Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten – Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!
Galater 6,16

Das griechische Bindewort kai (und) kann auch nämlich übersetzt werden. Das würde bedeuten, was die Gute Nachricht-Übersetzung wiedergibt: alle, die sich nach diesem Maßstab richten, sind das Israel Gottes und empfangen Frieden!

(3) An vielen Stellen bestreitet das Neue Testament, dass Juden, die den Messias verwerfen, zu der Nachkommenschaft Abrahams gehören.


Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.
Römer 3,28-29

In Offenbarung 3,9 sagt z.B. Jesus, dass Juden, die treue Christen aus Philadelphia verfolgen, eine „Synagoge Satans“ bilden. Sie werden eines Tages zu den Füßen den Unterdrückten niederfallen und erkennen müssen, dass Jesus sie geliebt hat. Dabei wendet Paulus die Prophetie aus Jesaja 60 auf Heidenchristen an:


Es werden gebückt zu dir kommen, die dich unterdrückt haben, und alle, die dich gelästert haben, werden niederfallen zu deinen Füßen und dich nennen »Stadt des HERRN«, »Zion des Heiligen Israels«.
Jesaja 60,14

Hier werden ausdrücklich treue Christen „Zion des Heiligen Israels“ genannt.

(4) Das klarste Beispiel für die Kontinuität zwischen Israel und Kirche stellt der Ölbaum von Römer 11 dar, wo Paulus unmissverständlich zeigt, dass die Wurzel des Baumes das Volk Israel ist und die gläubigen Heiden als Zweige eingepfropft werden.

Der Ölbaum ist in der Heiligen Schrift ein Bild für Israel. Die Tatsache, dass Heiden als wilde Zweige in den Baum eingefügt werden, spricht für sich. Am Ende vom Kapitel 11 ist es sogar höchstwahrscheinlich, dass Paulus die Gesamtheit des Volkes Gottes meint, wenn er sagt: und so wird ganz Israel gerettet werden (Vers 26).

(5) In Hebräer 3 finden wir auch das Bild des Hauses. Dieser Bau ist, wie der Ölbaum, ein Bild für Israel:


Und Mose zwar war treu in Gottes ganzem Hause als Knecht, zum Zeugnis für das, was später gesagt werden sollte, Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten.
Hebräer 3,5-6

Selbstverständlich könnte man erwidern, dass hier nur messianische Juden gemeint sind, aber wir finden wieder das Bild des Hauses in 1 Petrus 2,5. Dort sind auch Heidenchristen gemeint.

(6) In 1 Petrus 2, 9-10 kombiniert ebenso Petrus mehrere Passagen aus dem Alten Testament: 2 Mose 19,6; Jesaja 43,21 und Hosea 2,25. Er wendet sie auf die Gemeinde an, obwohl sie in ihrem ursprünglichen Kontext das Volk Israel betreffen.


Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Gottes Reich

Eine grundlegende Lehre des Dispensationalismus ist, dass Gott der König Israels ist. Der Nachfolger Davids, der Messias, soll auf einem irdischen Thron sitzen. Da die Juden den versprochenen Messias abgelehnt haben, soll die messianische Herrschaft auf eine spätere Zeit verschoben werden. Dieses sichtbare Königtum wird erst im Tausendjahrreich errichtet werden.

Eines muss klar sein: wenn diese These widerlegt werden kann, dann fällt das ganze System des Dispensationalismus in sich zusammen.

(1) Stimmt es, dass Jesus den Israeliten das Reich angeboten hat und dass sie es abgelehnt haben?

Im Matthäusevangelium wird das Reich Gottes als etwas präsentiert, was unbedingt kommen muss, egal ob Menschen sich darüber ärgern:


Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.
Matthäus 11,5-6


Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
Matthäus 12,28


Doch sollt ihr wissen: das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.
Lukas 10,11

Dieses Reich ist aber nicht so, wie sich die Israeliten es vorgestellt haben:


Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Lukas 17,20-21

Bester Beweis dafür: Als die Juden nach der Speisung der 5000 Christus zum König machen wollen, weigert sich Jesus, weil er sieht, dass er total missverstanden wurde:


Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Johannes 6,15

(2) In der Bergpredigt definiert Jesus, wie sein Reich zu verstehen ist. Es geht nicht primär um materielle Dinge, wie Essen, Trinken und Kleidung:


Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Matthäus 6,33

In Römer 14,17-18 verfolgt Paulus diesen Gedanken:


Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet.

Mit Christus herrschen, kann auch Verfolgung mit sich ziehen. So Johannes:


Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus…
Offenbarung 1,9

Da das irdische Volk Israel (außer dem Überrest) die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannt hat, verliert es jeden Anspruch auf dieses Reich.

Im Kapitel 8 bewundert Jesus den Glauben des römischen Hauptmanns, dessen Knecht er geheilt hat, und sagt dabei:


Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Matthäus 8,11-12

Im Gleichnis der bösen Weingärtner in Matthäus 21 lesen wir den Vers 43:


Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.

Jesus meint hier: das Reich wird dem Volk Israel nach dem Fleisch weggenommen und einem anderen Volk gegeben, das geistliche Früchte tragen wird.

Falsche Endzeitlehre

Es würde noch etwas wichtiges fehlen, wenn wir die Frage der Eschatologie nicht kurz anschneiden würden. Da der Dispensationalismus in einer strikten Logik verfangen ist, vertritt er eine relativ komplizierte Endzeitlehre.

Wir können diese Lehre mit folgenden Punkten zusammenfassen:
•Abfall der sichtbaren Kirche
•1. verborgene Wiederkunft Jesu sowie Entrückung der Gemeinde
•Antichristliches Reich und große Trübsal
•2. sichtbare Wiederkunft Jesu
•1. Auferstehung
•Tausendjähriges Reich
•Letzter Aufstand Satans
•2. Auferstehung zum Gericht
•Ewigkeit

Dagegen sagen wir, dass die Bibel ein relativ einfaches Modell lehrt:
•Geistliche Herrschaft der Gemeinde
•Abfall der sichtbaren Kirche und Aufkommen des antichristlichen Reichs.
•Wiederkunft Jesu
•Leibliche Auferstehung aller Menschen
•Endgericht
•Ewigkeit

Die zwei Weltzeiten

Im Hinblick auf die Endzeit lehren Dispensationalisten, dass nach dem jetzigen Zeitalter noch zwei weitere Zeitalter auf uns zukommen: das Tausendjahrreich und die Ewigkeit. Dieser Gedanke ist jedoch dem Neuen Testament fremd, denn dort ist immer die Rede von dem jetzigen und von dem kommenden Äon.

In Matthäus 12, 32 sagt zum Beispiel Jesus über die Sünde gegen den Heiligen Geist:


wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

Die Parallelstelle aus Markus 3,29 stellt klar, was mit „jener Welt“ gemeint ist:


wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.

Für Jesus gibt es deshalb diese Welt und dann die Ewigkeit. Die Ewigkeit fängt nach der Auferstehung der Toten an:


Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten; welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen.
Lukas 20,34-35

Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

und parallel dazu findet auch das Endgericht statt (nicht am Ende eines hypothetischen tausendjährigen Reichs!):


Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt (also von diesem Äon!)gehen.
Matthäus 13,40

Laut Paulus hat die Macht Gottes den Herrn Jesus auferweckt und ihn zum Herrscher eingesetzt:


Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.
Epheser 1,20-21

Der Autor des Hebräerbriefes spricht von denen, die geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben (Hebräer 6,4-5).

Dazu könnten wir noch viele Stellen hinzufügen…

Die Wiederkunft Jesu

Lehrt die Bibel, dass Jesus zweimal wiederkommen wird? Ich meine nicht. Lasst uns einige Schlüsselverse dazu betrachten!

(1) In 1 Thessalonicher 5 fordert Paulus die Christen zu Wachsamkeit und Nüchternheit. Ansonsten könnte sie der Tag des Herrn überraschen. Für die Dispensationalisten ist der Tag des Herrn die zweite Wiederkunft Jesu; sie betrifft die Menschen, die bei der ersten Wiederkunft nicht entrückt wurden. Wenn Paulus eine zweite Wiederkunft im Blick hätte, warum spricht er kurz davor, in 1 Thessalonicher 4,17, von der Entrückung der Gemeinde und verbindet sie unmittelbar mit dem Tag des Herrn. Einige bemerken dass wir in 1 Thess. 5,1 mit einer Mehrzahl zu tun haben. Es steht: Von den Zeiten und Zeitpunkten… Nun dieser Ausdruck steht auf griechisch immer in der Mehrzahl, wie wir es zum Beispiel in Apostelgeschichte 1,7 sehen.

(2) In 2 Thessalonicher 2 spricht Paulus von der Vereinigung der Christen mit Jesus bei seiner Wiederkunft. Was meint er genau? Es geht zunächst um die sichtbare Wiederkunft des Herrn (parousia) und wortwörtlich um unser Versammeltwerden zu ihm (episynagoges ep auton):


Was nun das Kommen unseres Herrn Jesus Christus angeht und unsre Vereinigung mit ihm, so bitten wir euch, liebe Brüder, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst – weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen -, als sei der Tag des Herrn schon da. Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens.
2 Thes. 2,1-3

Zu diesem Ereignis sagt er folgendes. Dies soll nicht geschehen, bevor der Abfall und der Antichrist gekommen sind. Dieser Vers widerlegt die Idee von einer Entrückung der Gemeinde vor der Trübsalszeit.

(3) In seinem zweiten Brief, im Kapitel 3, spricht Petrus über das Kommen des Herrn. Diesen Tag erwarten die Christen in aller Geduld. An diesem Tag soll alles erneuert werden:


Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
2 Petrus 3,10

Es ist auch an dieser Stelle klar, dass mit dem Tag des Herrn die Wiederkunft Jesu für seine Kirche gemeint ist und dass nach diesem Ereignis ein neues Äon kommt.

Ein Tausendjahrreich?

Das einzige Kapitel der Bibel, wo ein Tausendjahrreich erwähnt wird, ist Offenbarung 20. Die restliche Theologie über dieses tausendjährige Reich entpuppt sich als ein reines Kartenhaus. Es muss uns klar sein, dass wenn die alttestamentlichen Prophetien sich im Zeitalter der Gemeinde und in dem ewigen Reich Christi erfüllen, keine biblische Grundlage für dieses „Reich“ noch besteht.

Was ist dann in Offenbarung 20 gemeint? Ich verweise dazu auf folgenden Artikel.

Ich erwähne hier nur diese beiden Argumente:
•Das Neues Testament lehrt eindeutig, dass das Gebundenwerden Satans durch das Wirken Jesu auf Erde bereits stattgefunden hat. Belege dafür sind Texte wie Matthäus 12,28-29 und Lukas 10,17-18. Dass Satan gebunden ist, bedeutet nicht dass er keinen Freiraum mehr hat, sondern dass er wegen der erschienenen Gnade Gottes seine Macht als Ankläger verloren hat.
•Die Wiedergeburt wird oft mit einer Auferstehung aus den Toten verglichen: Der Kolosserbrief betont, dass wir bereits mit Jesus zu einem neuen Leben auferstanden sind (Kol. 2,12 ; 3,1). Johannes teilt uns mit, dass wir bereits mit Christus herrschen (Offenbarung 1, 9).

Schlussgedanken

Der Dispensationalismus mag für manche überzeugend und attraktiv sein, er bleibt eine sehr wackelige theologische Konstruktion, die sich weit von dem entfernt, was die inspirierten Autoren des Neuen Testaments über Jesus Christus und sein Volk gelehrt haben.

Eine heftige Kritik des Dispensationalismus wie diese, bedeutet meiner Meinung nach nicht, das Christen, die daran glauben, Irrlehrer sind. Viele von ihnen achten die Heilige Schrift viel zu sehr und verdienen dadurch viel Respekt.

Es bedeutet auch keineswegs, dass man das irdische Volk Israel verachtet; im Gegensatz, wie Paulus sagt:


… im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen.
Römer 11,28


1)  K.H. Kauffmann: Der Schlüssel, 4. Auflage, 2008, Seite 30


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#2
Dieter

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@Rolf: Ich bin auch (nach meiner Bekehrung) von der wörtlichen Inspiration und daher strikten wörtlichen Auslegung ausgegangen.Doch wenn ich die BIBEL unvoreingenommen (mit aller menschlichen Einschränkung) lese,kann ich nicht unbedingt dabei bleiben.Du nennst einleuchtende Beispiele,ein Mensch kann kein Baum sein.
Und wie Du habe ich (in Brüdergemeinden) erfahren,dass die rein wörtliche Auslegung nicht immer angewandt wird.Denn dann wäre es ausreichend,gemeinsam die BIBEL zu lesen und zu beten (nur die Psalmen?).
Dennoch bin ich der Auffassung,es kommt schon darauf an,WANN und ZU WEM der HERR spricht.Diese Unterscheidung ergibt sich u.a. aus Joh.1,17:"Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben;die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." Die Israeliten mussten sich an das Gesetz halten (Auch wenn das letztlich nicht gelang).Wenn ich den HERRN JESUS CHRISTUS aufgenommen habe,werde ich aus Liebe zu IHM GOTTES Gebote halten.Ein Fehlverhalten vergibt der HERR mir,wenn ich es IHM gestehe - und bereue.
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#3
Rolf

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Dennoch bin ich der Auffassung,es kommt schon darauf an,WANN und ZU WEM der HERR spricht.

Da bin ich absolut der gleichen Überzeugung. Wenn man den Kontext nicht beachtet, kann man alles in die bibel hinein- oder aus ihr herauslesen.


Herzliche Grüße


Rolf


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#4
Rolf

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Dennoch bin ich der Auffassung,es kommt schon darauf an,WANN und ZU WEM der HERR spricht.



Da bin ich absolut der gleichen Überzeugung. Wenn man den Kontext nicht beachtet, kann man alles in die bibel hinein- oder aus ihr herauslesen.


Herzliche Grüße


Rolf
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