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Züchtigung


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16 Antworten in diesem Thema

#1
meddy

meddy

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Diskussion abgetrennt von hier:

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Zweifelsfrei ist die antiautoritäre Erziehung, wie sie heutzutage überall gehandhabt wird, nicht die biblische Variante der Erziehung. Zucht ist ein wichtiges Mittel was Gott nutzt, um seine Kinder zuerziehen (Hebr. 12,4-11). Genauso sollte ein weiser Vater sein Sohn züchtigen (Spr. 13,1; 1,8 ).
Dass es dabei allerdings falsch wäre, das Kind blutig zuschlagen, oder mehr als in einem vernünftigen Rahmen, ist klar.
Immerhin sind die Folgen der antiautoritären Erziehung überall zu sehen. Und ich denke die älteren Geschwister können bestätigen, dass, wenn man als Kind berechtigt kurz versohlt wird, es nicht geschadet hat. Die ältere Generation ist um einiges moralischer als die jetzige.
Wenn nun also, was der Junge zur Züchtigung gesagt ("Danke Papa, ich bin hinterher wieder so richtig frei.") von Herzen und aus einer Beziehung zu Gott kommt, wäre dies beachtlich. Er wäre ein weiser Sohn. (Spr. 13,1: Ein weiser Sohn läßt sich vom Vater züchtigen; aber ein Spötter gehorcht der Strafe nicht.).
Von daher müßte man schauen, ob es sich so verhält.
Auch wäre es interessant die Aussage Saseks zu prüfen, ob es tatsächlich aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen seien.
Immerhin kann man so ganz schön viel verdrehen, wenn man will. Selbst mit der Bibel sind unglaubliche Aussagen möglich, wenn man den Zusammenhang nicht betrachtet.
Dies mal als Start für eine angeregte Diskussion :)
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#2
Hebräer83

Hebräer83

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"Autoritär" heißt ja nicht, daß es mit Prügeln zugeht, sondern nur, daß man Grenzen und Regeln setzt, die dem Schutz und Wohl (!) des Kindes dienen und es auf das eigenständige Leben vorbereiten sollen. Dabei sollte man v.a. durch sein Wort wirken und nicht durch die Faust. Das Problem bei antiautoritären Erziehungssystem ist, daß sie eben nicht nur auf körperlich Strafen verzichten, sondern z.T . auch auf sinnvolle Erziehungsmaßnahmen verzichten, und stattdessen auf die Selbstorganisation des Kindes setzen. Ich denke man braucht da eine gute Ausgewogenheit.
Zur Hebräerstelle fällt mir ein, daß das Wort für "Züchtigung" (ein Begriff der heute sehr auf körperliche Strafen bezogen ist) in 2. Tim 3,16 mit "Erziehung" übersetzt wird, die durch das Wort Gottes geschieht. Was das Wort "schlagen" in Vers 6 angeht, so habe ich bei Michael Trenkel von W+G Köln - den ich hier im Forum schon manchesmal heftig kritisiert habe - gelesen:

"Das hier verwandte (seltene) griechische Wort mastigoo wird daher meist auch als „strafen“ übersetzt, was aber völlig falsch ist, denn eigentlich bedeutet es „geißeln“, was vom gr. Hintergrund her zwar auch unverständlich scheint, vom hebräischen Hintergrund aber völlig verständlich ist, denn die BESCHNEIDUNG eines Neugeborenen wurde im Judentum umgangssprachlich auch mit dem Wort „geißeln“ beschrieben (dieses Wort heißt nämlich inhaltlich lediglich: „mit einem scharfen/spitzen Gegenstand stechen, schneiden“; vgl. auch: Strack/Billerbeck, Aus Talmud und Midrasch, Bd. 3, S. 628 u. 747)"

(aus:

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)
Ich werde die Quellenangabe mal prüfen.
Seine anderen Schlußfolgerungen kann ich allerdings nicht nachvollziehen.
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#3
Rolf

Rolf

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Die Prügelstrafe ist nichts anderes, als die unfaire Machtausübung des Stärkeren über den Schwächeren. Natürlich züchtigt Gott seine Kinder, wenn sie ungehorsam sind. Aber nicht mit den Methoden eines Ivo Sasek, der seine Kinder durch Prügel in Agst und Schrecken versetzt.

So etwas würde ich nie gutheißen oder befürworten. Wenn man die Statisken ansieht, dann erfährt man, dass unsere Gefängnisse voll sind mit solchen Leuten, die mit körperliher Gewalt mit Missbrauch und Verachtung aufgewachsen sind. Wie kann ein liebender Gott so etwas wollen? Für mich ist das unvorstellbar.

Herzliche Grüße

Rolf
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#4
meddy

meddy

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Ich habe mich mit Sasek schon etwas mehr beschäftigt und habe auch schon seine Kinder mal kennengelernt. Genauso habe ich auch eine Gegenstellung von Sasek gelesen, zu dem Thema Prügelstrafe. Die Familie war ja einmal in Untersuchungshaft, nachdem in einer Schweizer Zeitung ein Artikel ähnlich dem hier aufgeführten stand (blutige Striemen usw). Als sie von der Kripo entlassen wurden, waren die Polizisten überzeugt, dass wenn alle so wären wie die Saseks es keine Kripo mehr bräuchte. Es konnten keinerlei Anzeichen von Prügelei oder ähnliches gefunden werden.
Genauso empfand auch ich die Sasek-Kinder weder verängstigt noch verschreckt.
Von daher finde ich es schlecht diese Sache Sasek immer noch anzuhängen und es damit den Medien gleich zutun.
Es wäre denke ich auch wirklich noch wichtig, zu prüfen, ob es tatsächlich aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen sind, wie Sasek meint. Bei Gelegenheit gehe ich dem mal selber nach und versuche das zu überprüfen, wäre auf jeden Fall hilfreich.
Gruß Eddy
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#5
heiner

heiner

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Zunächst:

Antiautoritäre Erziehung ist verkehrt; dürfte wohl jedem Gläubigen klar sein.

Liebe und Züchtigung müssen sich aber das Gleichgewicht halten.

Ein herzensguter Vater, der sein Kind aus Liebe züchtigt, weint hinterher mit seinem Kind zusammen, weil er es züchtigen mußte.

Es geht also nicht um sinnlose Prügelei oder Wut ablassen, sondern um Erziehung zum Gehorsam aus Liebe heraus bewirkt,
so wie Jesus das auch mit uns tut.
Es tut weh, aber es meint es nur zum Besten.

Wenn ein Kind im Nachhinein gesehen wirklich dankbar ist, daß es gut erzogen wurde, was ist dagegen einzuwenden ?

Ohne jegliche Züchtigung entstehen Bastarde.
Ich meine, daß die Bibel hier eindeutige Aussagen trifft.
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#6
Hebräer83

Hebräer83

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Ein herzensguter Vater, der sein Kind aus Liebe züchtigt, weint hinterher mit seinem Kind zusammen, weil er es züchtigen mußte.

Es geht also nicht um sinnlose Prügelei oder Wut ablassen, sondern um Erziehung zum Gehorsam aus Liebe heraus bewirkt,
so wie Jesus das auch mit uns tut.
Es tut weh, aber es meint es nur zum Besten

Ohne jegliche Züchtigung entstehen Bastarde.
Ich meine, daß die Bibel hier eindeutige Aussagen trifft.


Daß du das Wort "Bastard" in den Mund nimmst für Menschen die gewaltfrei erzogen wurden und werden, spricht Bände.

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Bastard ist eine alte Bezeichnung für ein uneheliches Kind, häufig das Kind einer ledigen Mutter. Heute ist der Ausdruck fast nur noch als Schimpfwort üblich.


Der Gesetzgeber hat im Übrigen klare Regelungen gefaßt:

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Gesetzliche Regelung (im Familienrecht) [Bearbeiten]

Im November 2000 wurde § 1631 Abs. 2 BGB durch das Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung so gefasst:
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

§ 1631 Abs. 2 S. 2 BGB stellt nun ein Verbot gegenüber den Eltern dar. Sie dürfen bei der Ausübung der Personensorge körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen nicht mehr verwenden.


Haben Prügel- oder andere Körperstrafen je etwas an der "Inhumanität der Menschheit" geändert? Das 20. Jahrhundert hat genug wohlerzogene "Bastarde" hervorgebracht.
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#7
Rolf

Rolf

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Haben Prügel- oder andere Körperstrafen je etwas an der "Inhumanität der Menschheit" geändert? Das 20. Jahrhundert hat genug wohlerzogene "Bastarde" hervorgebracht.



Du nächste wichtige rage ist: Hat Prügelstrafe irgend etwas mit Gottes Wort zu tun?

Die Antwort ist : NEIN!!!

Züchtigung mit körperlicher Gewalt gleichzusetzen, ist eine unmenschliche Irrlehre.

Im Ausgangsthread ging es ja um Ivo sasek. Der Mann ist allerdings nicht nur wegen der Prügelstrafe ein Irrlehrer.

Herzliche Grüße


Rolf
  • 0

#8
Guest_Pierre3_*

Guest_Pierre3_*
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Als ich auf die obigen Ausführungen hin in der Wikipedia nach Ivo Sasek nachlas, fand ich, dass dort steht, dass die polizeilichen Untersuchungen die erhobenen Vorwürfe nicht bestätigen konnten. Wenn die obigen Schreiber hier besser Bescheid wissen, sollten sie sich vielleicht mit der Wikipedia in Verbindung setzen.

Dort steht: "... Ihm wurde auch der Vorwurf gemacht, bei der Kindererziehung körperliche Gewalt zu empfehlen und dies auch bei seinen eigenen Kindern umgesetzt zu haben. Dies führte 1995 zu einer Strafanzeige wegen angeblicher Kindesmisshandlung. Die nachfolgenden Untersuchung konnten den Vorwurf jedoch nicht bestätigen.[7]

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#9
Rolf

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Wer ist Wikipedia? Eine seite, die auch wort und geist positiv darstellt. Was i8st der Grund? Jeder kann sich da selbst schönreden.

Wie gesagt, Sasek, der gelegentlich Christus sein will, ist grundsätzlich ein Irrlehrer.


Herzliche Grüße


Rolf
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#10
keine Hoffung mehr

keine Hoffung mehr

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Warum steht so etwas schreckliches Kinderfeindliches in der Bibel ?
Warum haben oder nehmen Menschen so etwas wörtlich für ihr handeln ?



Sprüche 13 24: Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.
Sprüche 22 15: Steckt Torheit im Herzen des Knaben, die Rute der Zucht vertreibt sie daraus.
Sprüche 23 13: Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht; wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben.
Sprüche 13 14: Du schlägst ihn mit dem Stock, bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt.
Sprüche 19 18: Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnunf ist, doch lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.
Sprüche 29 15: Rute und Rüge verleihen Weisheit, ein zügelloser Knabe macht seiner Mutter Schande.
Sprüche 29 17: Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Verdruss ersparen und deinem Herzen Freude machen.

5. Mose 21:18-21:
Falls ein Mann einen Sohn haben sollte, der störrisch und rebellisch ist, indem er nicht auf die Stimme seines Vaters oder die Stimme seiner Mutter hört, und sie haben ihn zurechtgewiesen, aber er wird nicht auf sie hören, 19 dann sollen ihn sein Vater und seine Mutter ergreifen und ihn zu den älteren Männern seiner Stadt und zum Tor seines Ortes hinausbringen, 20 und sie sollen zu den älteren Männern seiner Stadt sagen: ‚Dieser unser Sohn ist störrisch und rebellisch; er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Schlemmer und ein Trunkenbold.‘ 21 Dann sollen ihn alle Männer seiner Stadt mit Steinen bewerfen, und er soll sterben. So sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen, und ganz Israel wird es hören und sich bestimmt fürchten.
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#11
Guest_Peter Wiem_*

Guest_Peter Wiem_*
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Warum steht so etwas schreckliches Kinderfeindliches in der Bibel ?
Warum haben oder nehmen Menschen so etwas wörtlich für ihr handeln ?


Liebe® Keine Hoffnung mehr!

Von meinem Standpunkt aus würde ich die Schrift nicht als kinderfeindlich, sondern als menschenfreundlich bezeichnen.
Ich gehe nicht davon aus, dass unser gemeinsamer Gott willkürlich ist.
Deshalb kann es sein Wort auch nicht sein!

Wovor ich mich hüten möchte ist die Überbewertung der jeweilig eingenommenen gesellschaftlichen Standpunkte.
Einer davon ist die Zuordnung von Zucht als etwas generell Kinderfeindliches.
Hier muss ich unterscheiden zwischen meinen Empfindungen und Gottes Masstäben.
Und wenn sich die Schrift derartig eindeutig positioniert, sollte ich mir Gedanken machen über meine Art und Weise des Glaubensgehorsams.
Nicht immer ist eine Entscheidung weise, die sich mehr auf den "gesunden Menschenverstand", als auf die Aussagen der Bibel gründet.

Sprüche 13 24: Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.
Sprüche 22 15: Steckt Torheit im Herzen des Knaben, die Rute der Zucht vertreibt sie daraus.
Sprüche 23 13: Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht; wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben.
Sprüche 13 14: Du schlägst ihn mit dem Stock, bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt.
Sprüche 19 18: Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnunf ist, doch lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.
Sprüche 29 15: Rute und Rüge verleihen Weisheit, ein zügelloser Knabe macht seiner Mutter Schande.
Sprüche 29 17: Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Verdruss ersparen und deinem Herzen Freude machen.


Zuerst einmal: hier ist nur von Söhnen, niemals von Töchtern die Rede! Mir wurden selbst je zwei Söhne und Töchter zur Erziehung anvertraut, deshalb weiss ich in etwa, warum die Schrift hier einen Unterschied macht.
Und dann gehe ich davon aus, dass wir im neuen Bund rechtlich gesehen nicht mehr unter Gesetz, sondern unter der Gnade stehen. Dass darf sich durchaus auch auf unsere Erziehungsprinzipien auswirken.

5. Mose 21:18-21:
Falls ein Mann einen Sohn haben sollte, der störrisch und rebellisch ist, indem er nicht auf die Stimme seines Vaters oder die Stimme seiner Mutter hört, und sie haben ihn zurechtgewiesen, aber er wird nicht auf sie hören, 19 dann sollen ihn sein Vater und seine Mutter ergreifen und ihn zu den älteren Männern seiner Stadt und zum Tor seines Ortes hinausbringen, 20 und sie sollen zu den älteren Männern seiner Stadt sagen: ‚Dieser unser Sohn ist störrisch und rebellisch; er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Schlemmer und ein Trunkenbold.‘ 21 Dann sollen ihn alle Männer seiner Stadt mit Steinen bewerfen, und er soll sterben. So sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen, und ganz Israel wird es hören und sich bestimmt fürchten.


Schön zu wissen, wovon wir erlöst sind!
Für diejenigen, die an einer wie auch immer gearteten Gesetzesgerechtigkeit festhalten wollen, die mögen mir gerne einmal erklären, wie sie diese Auslegung des (ursprünglich) fünften Gebotes heutzutage handhaben wollen.

Wie schon gesagt, Gottes Wort ist weder willkürlich, noch situationsbezogen.
Und wenn alttestamentliche Prinzipien in den neuen Bund mit übernommen wurden, dann ist es m. E. ein Akt der Weisheit, diese ganzen Aussagen nicht generell in frage stellen zu wollen, sondern sich zuerst einmal Gedanken zu machen, warum diese Verse so und nicht anders in der Schrift drinstehen.

Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten hinführen (Rö 8,28). Warum sollte ich an diesem Wort zweifeln wollen, nur weil mir eine Anordnung aus dem Worte Gottes nicht in meine Gottesvorstellung hineinpassen will?

Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden und habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: »Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.«
ihr erduldet, zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde(3394) und nicht Söhne. Zudem hatten wir auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger und scheuten sie. Sollen wir uns nicht vielmehr dem Vater der Geister unterordnen und leben?
Denn sie züchtigten zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit. Hebr 12,4-11

Lex 3394 nothos unehelich, illegitim; diese beiden Bedeutungen sind in Hebr 12,8, der einzigen Stelle, an der dieses Wort im NT gebraucht wird , zusammenzudenken. Das Leiden der Gemeindeglieder wird hier damit erklärt, daß alle ehelichen und legitimen Kinder Züchtigung erfahren müssen.

In all diesen „prügelbezogenen“ Gedankengängen ist etwas vergessen worden:
die Ermahnung, die Gott zu unserem Vater und damit auch zu unserem rechtmässigen Zurechtweiser erklärt, und ausdrücklich die körperliche und seelische Züchtigung als den manchmal einzig gangbaren Weg der Hinführung zu unserer Heiligung beschreibt.

Zucht ist auch im neuen Bund überlebensnotwendig.
Wo ich Nachfolge unbedingt als eine Schule Gottes sehen möchte, die ohne Zucht auszukommen hat, dann darf ich mich nicht über die dementsprechenden Ergebnisse wundern. Eine Sohnschaft ohne Zucht gibt es laut der Bibel nicht!

Wo ich die Zucht Gottes nicht akzeptiere, werde ich irgendwann zum Bastard!
Ein Bastard ist ein Mensch, der keinen Anstand gelernt hat.
Und ohne Anstand gibt es keine Qualität der Heiligung, die vor Gott Bestand hat!

Wenn ich also aus welchen Gründen auch immer die Zucht nur als ein Relikt aus dem alten Bund sehen will, das mir persönlich nicht so richtig in meine neutestamentliche Vorstellungen hineinpassen will, dann säge ich mir auf Dauer ganz sicher den Ast ab, auf dem ich sitze.

Es stellt sich die Frage, inwieweit Heiligung und Sohnschaft für mich erstrebenswerte Qualitäten darstellen, und was ich dafür einzusetzen (und einzustecken) bereit bin.
Wo ich Jesus von vorne herein die Qualifikation als Zuchtmeisters meines Lebens abspreche, da werden die Fragen nach der Notwendigkeit der Züchtigung immer im Raum stehen. Und wo ich meine Söhne lediglich zu Gotteskindern, aber nicht zu Jüngern Jesu heranziehen möchte, da würde ich mir auch zwei- bis dreimal überlegen, ob ich mir deren Züchtigung antun will.

Kinderfeindlichkeit ist je nach geltenden gesellschaftlichen Normen stets verschieden definiert worden.
Seien wir vorsichtig, wenn wir die gesellschaftliche Ethik überbewerten und gleichzeitig Gottes Wort damit geringschätzen.

Liebe Grüsse: Peter
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#12
Hebräer83

Hebräer83

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Und wenn alttestamentliche Prinzipien in den neuen Bund mit übernommen wurden, dann ist es m. E. ein Akt der Weisheit, diese ganzen Aussagen nicht generell in frage stellen zu wollen, sondern sich zuerst einmal Gedanken zu machen, warum diese Verse so und nicht anders in der Schrift drinstehen.


Dann setzen wir uns doch mal damit auseinander ob das überhaupt so stimmt. Steht denn im AT dasselbe drin wie im NT?:

Hebr. 12, 5f.
"Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt." (rev. Elb. in der unrevidiert steht: "er geißelt")


Dieser Vers ist ein Zitat von Sprüche Salomo (Proverbiae 3, 11f.) Wir werden aber feststellen, wenn wir dort nachschauen, daß der Vers dort etwas anders lautet:

"Die Zucht des HERRN, mein Sohn, verwirf nicht und laß dich nicht verdrießen seine Mahnung! Denn wen der HERR liebt, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, den er gern hat."


Das hat natürlich seinen Grund: Der Hebräerbrief zitiert diesen Vers nach der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT. Die weicht hier aber ab vom hebräischen Text.

Im Hebräischen Text steht:

UKeAV: "und wie (ein) Vater".

Es stehen dort vier Buchstaben (Waw, Kaf, Aleph und Beth), die entsprechend vokalisiert sind, daß sie "und wie ein Vater seinen Sohn den er liebt" bedeuten.

Die Septuaginta hat hier griechisch stehen: MASTIGOI DE - "den bestraft er mit einer Rute / geißelt er". Vermutlich beruht diese Abweichung auf einem anderen Grundtext mit anderer Lesart oder einem Lesefehler nämlich:

UJiChAV: "und er fügt Schmerzen zu".

Demnach hätten dort fünf Buchstaben, nämlich Waw, Jod, Kaf, Alepf und Beth, gestanden. Das zusätzliche Jota verändert den Ausdruck.

[Sprachwissenschaftlich liegt es näher hier "und wie ein Vater" zu lesen, weil zu einem Sohn stehts ein Vater gehört und hier eine höhere Wirklichkeit "die Zucht des HERRN" mit einem irdischen Zusammenhang (die Erziehung eines Sohnes durch seinen Vater) verglichen wird. Der Targum Jonatan übersetzt Prov. 3, 12 in Aramäische:
"Mathul dileman derakhem leh OLAHA radeh leh wehech abba deradeh livreh":
"Denn derjenige [von dem gilt:] den-liebt Gott: Er erzieht ihn; und-wie ein-Vater der-erzieht seinen-Sohn"]


Diese abweichende Lesart ist dann in das Neue Testament gekommen. Wenn aber gelten soll, was die Reformatoren gefordert haben, dann sollte man sich auch an die Veritas Hebraica halten, denn die Septuaginta ist - außer in der Ostkirche - nicht der normative alttestamentliche Bibeltext.

Wenn das Neue Testament das Wort Jesu vom "Jota" hier buchstäblich am hebräischen Original ungültig macht, dann kann sich niemand aufschwingen und auf dieses falsche Jota und seine vermeintlichen inhaltlichen Folgen für die Kindererziehung bestehen wollen.

die Ermahnung, die Gott zu unserem Vater und damit auch zu unserem rechtmässigen Zurechtweiser erklärt, und ausdrücklich die körperliche und seelische Züchtigung als den manchmal einzig gangbaren Weg der Hinführung zu unserer Heiligung beschreibt.


Der eigentliche theologische Grund für dieses Zitat ist nicht ein Erziehungsratgeber in Fragen der Prügelstrafe, sondern ein Zusammenhang, der auch dann erhalten bleibt, wenn man sich den hebräischen Text ankuckt, nämlich, daß Gott, 1.: Kinder/Söhne hat und, 2.: diesen Grenzen setzt und sie durch sein Wort (er)mahnt und zurechtweist:

Hebr. 12, 7f: Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung/Mahnung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt/zurechtweist? Wenn ihr aber ohne Züchtigung/Erziehung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne.


Der Hebräer-Brief ermutigt letztlich in dem Abschnitt dazu, Anfechtung, Verfolgung, Widerspruch aber auch Leid nicht als Strafe mit zerstörender Absicht, sondern als zur Ausdauer anspornende Maßnahmen Gottes zu interpretieren (dazu Vers 12, 1-3):
"Deshalb laßt nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen (Mitgläubigen, evtl. Märtyrern) um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den (= Jesus), der so großen Widerspruch (Anfeindungen) von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!"

Die Übersetzung "Bastarde" (in Vers 12, 8) ist unpassend und stigmatisierend. Ein Bastard ist (veraltet) ein uneheliches, illegitimes Kind. Hat Gott uneheliche/außereheliche/illegitime Kinder? Schlachter schlägt "unechte (Söhne/Kinder)" vor (Schlachter-Übersetzung). Die Einheitsübersetzung macht daraus einen Satz: "Ihr wäret nicht seine Söhne."

Heißt nun aber vielleicht "züchtigen"/"strafen" auch "schlagen"?:

Ich habe nicht zufällig mit "erzieht", "ermahnt", "zurechtweist" übersetzt, denn das Hebräische "JochiaKh" ist alles andere als eine per se gewaltätige Wurzel und umfaßt Bedeutungen wie:
zurechtweisen, jem. Recht schaffen, für das Recht eintreten, Vorwürfe machen, zur Rechenschaft ziehen. Ich füge hier alle Verwendungen von Verben der Wurzel J-K-Kh aus den Sprüchen Salomo nach rev. Elberfelder hier ein und mache die Übersetzungen der Wurzel fett kenntlich:

Prov 9, 7f.: "Wer den Spötter zurechtweist, holt sich nur Schande; und wer den Gottlosen rügt, selbst einen Makel."
"Rüge nicht den Spötter, damit er dich nicht haßt; rüge den Weisen, so wird er dich lieben!"

Prov 15, 12: "Der Spötter liebt es nicht, daß man ihn zurechtweist; zu den Weisen geht er nicht."

Prov 19, 25: "Schlägst du den Spötter, so wird der Einfältige klug; und weist man den Verständigen zurecht, so wird er auf Erkenntnis achtgeben."

Prov 24, 25: "Denen aber, die zurechtweisen, geht es gut, und bei ihnen trifft das Glück des Segenswunsches ein."

Prov. 25, 12: "Ein goldener Ohrring und ein Halsgeschmeide aus feinem Gold, ein weiser Mahner für ein hörendes Ohr."

Prov 28, 23: "Wer einen Menschen [zurechtweist, findet letztlich mehr Gunst als einer, der mit der Zunge schmeichelt."

Prov 30, 6: "Füge zu seinen Worten nichts hinzu, damit er dich nicht überführt und du als Lügner dastehst!"

Zu den Ruten-Versen u.a. bei Salomo, folgendes:

Warum sollte ich an diesem Wort zweifeln wollen, nur weil mir eine Anordnung aus dem Worte Gottes nicht in meine Gottesvorstellung hineinpassen will?


Im Neuen Testament werden nicht nur 99,9% der Verse des Alten Testaments NICHT zitiert. In der christlichen Theologie ist auch der gesellschaftliche und religiöse Entwurf der Mose-Torah und ähnlicher Schriften entkernt, allegorisiert und zu einem großen Teil schlicht ignoriert, verworfen, verteufel worden (mit all den negativen Konsequenzen, die das für die Juden in den letzten Jahrhunderten hatte).

Wer daher kommt und sich aufmacht beliebige Verse zur Erziehung aus dem AT zu zitieren,
weil er in einem einzelnen, nicht vom Hebräischen AT überlieferten Textzitat, das selbst dann nicht Gewalt gegen Kinder rechtfertigen würde, wenn es tatsächlich so da stände (wie oben gezeigt) einen Auftrag dafür sieht -
Wer also durch das Vorkommen eines solchen Zitats im Neuen Testament den Auftrag sieht, sich über die Mittel und "Werkzeuge" zum Schlagen seiner Kinder eine Rechtfertigung aus dem AT zu holen, das in der christlichen Theologie und dem NT (Paulus) gemeinhin als in Christus überwunden, "gesetzlich" und von menschlicher Schwäche motiviert gilt, wo es nicht gerade auf den Messias hinweist (Jesu Erklärung zu Mose/Gottes Scheidungserlaubnis, vgl. Matth 19, 5.Mose 24),
Der also muß sich die Frage gefallen lassen, ob er beispielsweise die Sklaverei wiedereinführen will?

Daselbe Prinzip: Wir schließen aus dem nicht-vorhandensein eines Jesus-Wort auf das Gegenteil: Jesus hat sich nicht zur Sklavenbefreiung aufgerufen (und leider hat er ja auch wörtlich nicht gesagt: Schlagt eure Kinder nicht).
Danach lesen wir in den Briefen etwas wie bei Paulus: "Ihr Sklaven seid gehorsam euren irdischen Herren" (Eph 5). Und schon wollen wir uns dann mal schnell im AT informieren, wo ich denn einen Sklaven bekomme und wie ich mit ihm verfahren darf.
Sklaverei war gängige Praxis bis in das 19. Jahrhundert in christlichen Ländern der Neuen Welt (hier Schwarzafrikaner) und als Leibeigenschaft in Europa.

Ich frage mich warum jemand meint seine Kinder (Und jetzt behaupte bitte keiner, daß nicht noch bis in das letzte Jahrhundert hinein auch Töchter "gezüchtigt" wurden) unter die verordnete körperliche Gewalt einzelner Verse bringen will, sich aber nicht jedesmal wörtlich ein Auge ausreißt, wenn es ihn zur Sünde verführt oder aber tatsächlich die andere Wange hinhält, wenn er geschlagen wird/wurde.
Ich sage nur: "Blutige Striemen reinigen den Bösen, und Schläge die Kammern des Leibes." (Sprüche 20, 30). - Geißelt euch selbst.
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#13
Rolf

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Danke für die aufschlusreiche Erklärung. Damit ist klar, dass Züchtigung und Rute nicht körperliche Gewalt meinen.


Herzliche Grüße


Rolf
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#14
Hebräer83

Hebräer83

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Ich finde es auffällig, daß der einzige Vers der Sprüche Salomo, in dem die revidierte Elberfelderübersetzung ein Verb der Wurzel J-K-Kh NICHT eindeutig gewaltlos übersetzt (Prov 9, 7f.: zurechtweisen, rügen; 15, 12: zurechtweisen; 19, 25: "zurechtweisen"; 24, 25: "zurechtweisen"; 25, 12: mahnen; 28, 23: zurechtweisen; 30, 6: überführen).
Sprüche 3, 12 ist der einzige der von mir oben genannte Verse, in dem die Beteiligung von Kindern wahrscheinlich ist, und hier steht dann "züchtigt", was ja im allgemeinen Sprachverständnis eine Rute impliziert. Hier hat man sich offenbar in der Übersetzung des Hebräischen von einer Variante des griechischen Textes vereinnahmen lassen.

Die Ruten-Verse in Sprüche und sonstiges, sind nicht zu leugnen. Wäre es Jesus oder aber den Schreibern des Neuen Testaments darum gegangen Gewalt, bzw. Gewalt gegen Kinder zu propagieren - und sei es auch mit guter Absicht, dann hätten sie sich da bedienen können. Haben sie aber ja nun eben nicht, ebenso, wie Sprüche 3, 11f in Hebr. 12, 5f. auch nicht Leitfaden für Erziehhungsfragen mißbraucht werden kann.

Im Übrigen. Noch zum Zitat, das die Überschrift zum Sasek-Artikel bildet:

Sprüche 13 14: Du schlägst ihn mit dem Stock, bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt. (hebr.: Sheol)


Der Sheol ist nicht die Hölle. Es geht also nicht darum, irgendjemanden durch Schläge vor Verdammnis in einem Leben nach dem Tod zu retten. Der Vers ist eine andere Umschreibung von Sprüche 19,18:

Sprüche 19 18: Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung ist (wörtl.: Denn es gibt Hoffnung), doch lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.


Wollte damals sagen: Töten ist tabu, schlagen war (noch) Ok. Insofern "retteten" Schläge vor der Unterwelt, weil sie (in der Regel) nicht zum Tod führten.
  • 0

#15
Arno

Arno

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Lieber Florian,
danke für Deine Ausarbeitung, die ich gut finde und erst recht die Intension dahinter. Allerdings sehe ich - gerade angesichts von solch extrem-fundamentalistisch bibelgläubigen Kreisen - dadurch dennoch keine echte Möglichkeit etwas im Denken zu verändern. Denn wenn Du argumentierst, dass das Geißeln im Hebr. wahrscheinlich ein Schreibfehler ist und es im atl. Grundtext anders steht, so würden Dir diese Leute erwidern, dass es nun aber genau so im Grundtext des NT steht und Gott es extra zugelassen habe, das es genau so da steht. Sonst müsste man ja sagen, dass das AT mehr von Gott inspiriert oder "eingegeben" ist, wie die Briefe des NTs. Aber der Glaube an die völlig Irrtumslosigkeit bezieht sich ja nunmal auf die Worte der ganzen Bibel und nicht nur das AT.
Und es ist schon eine gewisse Gefahr in dieser Argumentation, denn man könnte es ja dann - siehe Wort + Geist - auch in die andere Richtung drehen: das NT ist mehr inspiriert wie das AT und diesem inhaltlich überlegen.

Viele Grüße
Arno
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#16
Hebräer83

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Lieber Arno,
dessen bin ich mir voll bewußt. Es gibt aber mehrere Argumentationslinien, die ich bereits benannt hatte, die ohne die "Textkritik" auskommen.

Egal welche Lesart man jetzt akzeptieren würde, daß Hebr. 12, 1-11 und das ausgewählte Zitat nicht die Rechtfertigung der Prügelstrafe beabsichtigt, sollte jedem Leser im Zusammenhang klar werden. Der zitierte Vers dient der Begründung einer Theologie, die auf eine Frage antwortet die in die Geschichte der frühen Gemeinde blickt, wo Verfolgungen mit ggf. schwerem Leid an der Tagesordnung waren und wo auch der Zweifel an der Richtigkeit des Glaubensweges groß war.
Der Autor will zeigen, das dies nicht Zeichen der Verworfenheit durch Gott sind (so wie man Jesus als von Gott Verworfenen betrachtete, als er gekreuzigt wurde (vgl. Gal 3, 13: "Verflucht ist jeder der am Holz hängt")), sondern daß Gott dies Geschehen läßt, um den Widrigkeiten des Lebens widerstehen zu können - und womöglich auch vor Hochmut und Arroganz zu wehren.

Peter hat diesen Gedanken zwar auch beschrieben (u.a. mit Verweis auf Röm 8), er macht aber einen falschen Umkehrschluß, wenn er impliziert, daß es Gottes "Züchtigung", seine "Geißelung" gewissermaßen nur dann wirklich geben könne, wenn weiterhin auch gilt, daß Väter ihre Söhne züchtigen/zurechtweisen und zwar "ausdrücklich" auch körperlich. Es wird hier also aus diesem Zusammenhang, der nur als Vergleich gedacht war, plötzlich ein Gebot konstruiert. Etwas worauf der Schreiber des Hebräerbriefes ja nicht hinaus will, Sondern: Ihr bleibt Söhne, auch wenn euch Verfolgung, Leid etc. widerfährt.

Michael Trenkel hat, wie ich weiter oben ihm Thread vor längerem schon mal geschrieben hatte auch die Möglichkeit aufgezeigt, daß "mastigoi" - "geißeln" als "beschneiden" verstanden und übersetzt werden kann - wohl natürlich im übertragenden Sinne einer Beschneidung des Herzens. Er umgeht damit die Spannung zwischen dem hebräischen und dem griechischen Text ebenfalls. Trenkel übersetzung erscheint mir aber im Gesamtzusammenhang etwas weit hergeholt.

Eine dritte Argumentation, ebenfalls unabhängig von Fragen der Textkritik, kann noch anführen, daß Jesus sich gegen die Todesstrafe richtet, Gewalt sogar gegen Feinde verurteilt, nirgends - auch nicht im AT - von Recht auf Gewalt gegen Ehefrauen die Rede ist (ich hoffe es, weist mich bitte auf das Gegenteil hin), und nun wird ein einziger Vers im Hebräerbrief, der in einem Abschnitt steht, den die rev. Elberfelder zurecht mit "Ausharren in Prüfungen nach dem Vorbild Jesu" überschreibt plötzlich zum Anker für Christen, die meinen, daß wenigstens "liebevolle" Schläge (mit der Rute womöglich) gegen Kinder (nur Söhne oder auch Töchter?) drin sein sollte? Und wenn hier schon einmal die Tür auf ist, dann sollte man gleich auch alle Verse aus dem AT nehmen, die sich etwas zu Erziehung zu sagen hätten?

Zum Punkt mit der Inspiration, Irrtumslosigkeit, bzgl. der Frage der Textkritik etc.:

Das Tanach (außerdem mit Targum und Vulgata) auf der einen und Septuaginta (mit NT) auf der anderen Seite hier auseinandergehen ist natürlich für einige ein Problem. Es stellt nämlich das Verbal-Buchstäbliche-Inspirationskonzept generell in Frage, da, wenn beide Schriften auf diese Weise und vollumfänglich, diktatorisch inspiriert wären, sie sich doch nicht selbst durch das buchstäblich gewordene "Jota" (Jod) beide (sic!) in Frage stellen würden -
Die Annahme, daß Gott bewußt ein Zitat seines ersten Wortes verfälscht und das zweite Wort mit diesem Zitat dann als eine Höhere Offenbarung gilt ist absurd, auch wenn vielleicht einige an so was hängen.
Daß man in "extrem-fundamentalistisch bibelgläubigen Kreisen" damit wohl nicht gut landen kann ist mir klar. Diese Kreise müßten sich dann aber fragen, was es ihnen bringt, offensichtliches zu leugnen. Das wäre dann nicht Liebe (oder Mut) zur Wahrheit.

Man muß in der Tat akzeptieren können, daß Gott es in diesem Fall zugelassen hat, daß bei der Entstehung der Septuaginta - beginnend 250 Jahre vor Jesu Geburt - ein paar Spannungen in den Text gekommen sind, die dadurch v.a. auffällig wurden, weil die christlichen Schriftsteller des Neuen Testaments v.a. aus ihr zitieren - was Gott ja ebenfalls zugelassen haben müßte.
Erste mögliche Schlußfolgerung: Die Septuaginta hat den wahren Text, weil Gott es ja zugelassen hat und wir sollten uns mit dem Hebräischen AT nicht mehr beschäftigen, auch wenn dieser Text deutlich älter ist.
Zweite mögliche Schlußfolgerung: Wir müssen uns der Spannung, wie etwa in Hebr 12 bewußt sein, sie kennen und mit ihr leben. Jedenfalls zwingt es uns zu einem größeren Nachdenken über den menschlichen Faktor beim Entstehen der Bibel - Das ist ja schon fast Ketzerei. Ich würde es aber eher so verstehen, daß man - wenn man beispielsweise als Prediger nur mit der Übersetzung Luther 84 arbeitet, sich bewußt sein muß, daß es Stellen gibt, die die rev. Elberfelder anders übersetzt und wo im Original nochmal was anderes drin stehen könnte - wenn man Pech hat oder Glück, weil es nämlich die Konsequenz der dogmatischen Offenheit hat, daß nämlich niemand, der sich auf eine Variante (Übersetzungs- oder Textvariante) beruft, den Anspruch der verbindlichen Wahrheit für sich beanspruchen kann.
Für Hebr 12 hat dies inhaltlich keine Konsequenzen. Wenn wir die Textabsicht so verstehen, wie oben dargelegt, ist einer üblen Sonderlehre unabhängig davon ein Riegel vorgeschoben. Wer aber auf dem griechischen "Jota" gegenüber dem hebräischen "nicht-Jod" besteht und darauf aufbauend abweicht, wird zum Sektierer.

Ob das jetzt hier durchdringend wirkt weiß ich nicht, aber ich schreibe auch ein gutes Stück für mich selber - Jedenfalls wenn mir solche kruden Dinge auffallen.
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#17
Hebräer83

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Da mich eine Anfrage zu dem Thema erreichte möchte ich noch etwas hinzufügen.

1. Daß Eltern/Väter zur Erziehung ihrer Kinder/Söhne zu allen Zeiten und vermutlich durch alle Kulturen hinweg auch gewaltsame Mittel verwendet haben ist unbestritten. Daß es immer solche gab, die ohne diese Mittel ausgekommen sind, aber auch solche die diese Mittel überzogen haben und natürlich ein breites Spektrum zwischen diesen ist nicht zu leugnen und darum geht es auch nicht.

2. Die Frage um die es im folgenden geht ist, ob Gott eine Verpflichtung, ein Gebot gegeben hat, Kinder (regelmäßig) durch Schläge zu erziehen, ob derjenige der seine Kinder gewaltfrei erzieht sie zu "Bastarden" macht oder nicht.

Hierzu gehen wir methodisch korrekt zu Mose an den Sinai zurück, denn die Torah ist das Bundesbuch, das Mose von Gott in der Wüste erhielt und in dem Gott verbindlich seine Regeln für den Bund zwischen sich und dem Volk Israel aufgestellt hat.
Nach traditioneller Meinung handelt es sich dabei um die 5 Bücher Mose, als deren Verfasser Mose angenommen wird. Halten wir zur Vereinfachung daran fest.
In der schriftliche Tora vom Sinai gibt es unter den vom Judentum traditionell als 613 Geboten und Verboten zusammengefaßten Vorschriften KEIN Züchtigungsgebot in Bezug auf Kinder.
Gott, der Mose die Torah am Sinai übergab, die nach jüdischer Lehrmeinung / Zählung 613 Gebote und Verbote enthält, ordnet also - abgesehen von religiöser Erziehung der Kinder - nichts über die Art der Kindererziehung an. Kindererziehung ist also am Sinai nicht Gottes-, sondern weitgehend Menschensache.
Allerdings wir die Erziehung von Kindern/Söhnen natürlich vorausgesetzt, wenn wir die einzige Passage anschauen, in der die Erziehung eines Sohnes durch seinen Vater geboten wird. Wir finden si in 5. Mose 21, wo es heißt:

"Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der auf die Stimme seines Vaters und auf die Stimme seiner Mutter nicht hört, und sie züchtigen ihn, er aber hört nicht auf sie,..."


Wie "züchtigen" zu übersetzen ist, das ist angesichts der vielfältigen Bedeutungen der Verben Wurzel J-Ss-R nicht so klar, auch wenn hier nicht einfach behauptet werden kann, das es nichts mit Gewalt zu tun hätte (Man bedenke, das in Vers 21 beschriebene gewaltsame Ende des störrischen Sohns).

Ich möchte aber zeigen, daß es nicht erst seit gestern den sog. "Zeitgeist" gibt, der angeblich ständig am Werk ist um die Bibel zu entschärfen und angeblich zu entstellen, sondern das es tatsächlich nicht so eindeutig ist, wie es sich viele Vertreter von Tradition und Traditionen machen, wenn sie die Bibel lesen.

Auffällige Unterschiede bei der Übersetzung

Die Meinungen über die Bedeutung von "züchtigen" gingen wohl schon immer signifikant auseinander. Am Augenfälligsten wird dies, wenn wir die Aramäischen Übersetzungen der Tora, den Targum Onkelos und den Targum Jonatan, sowie die rabbinisch-pharisäische Auslegung der Gebote der Tora in der Mischna betrachten. Alle drei Werke reichen auf in das 1. und 2. nachchristliche Jahrhundert zurück und existierten daher mehr oder weniger nebeneinander. Und dennoch bringen sie teils sehr unterschiedliche Betrachtungen bei.

So der Targum Onkelos (

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)

Er übersetzt die die Phrase "und sie züchtigen ihn" mit:

"u-malphan jatheh" - "und sie belehren ihn"



Das Verb "malphan" kommt von der aramäischen Wurzel A-L-Ph, deren Grundbedeutung "lernen", "sich in etw. üben", "mit etwas vertraut machen" ist und die im hier verwendeten sog. Pa'al-Stamm die Bedeutung: "belehren", "jemanden in etwas üben" erhält. Diese Übersetzung ist also definitiv alles andere als gewaltsam.

Anders dagegen der Targum Jonatan (

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), der ein anderes Verb gebraucht:

"we-jichssenun jathejh": - "und sie geißeln/tadeln ihn"



Die Aramäische Wurzel K-Ss-N hat sowohl die Grundbedeutung "kratzen", "geißeln", aber auch "tadeln". Hier steht aber wohl eindeutig der strafende, schlagende Aspekt im Vordergrund der Betrachtung.

Die Mischna

Nachdem wir nun diese eklatanten Gegensätze gesehen haben, wenden wir uns der Mischna zu, die einen rabbinischen Kommentar zu den in der Tora gegebenen Geboten darstellt, und um das Jahr 200 in Palästina fertiggestellt wurde, gibt auch Erklärung 5. Mose 21 ab. So heißt es im Traktat Sanhedrin ("Gerichtshof"), Kap. 8, Abschnitt 4c:

"Man warnt den [Sohn] (mathrin bo) vor dreien und geißelt ihn (u-malqin oto)"



"malqin" kommt von der Wurzel L-Q-H/J, "geschlagen werden", "leiden", "mit Peitschen geschlagen werden". Hier ist die Bedeutung nun eindeutig auf eine Körperstrafe festgelegt worden.
Allerdings verortet die Mischna die Züchtigung nicht in den privaten Bereich. Gemäß ihr geht es hier nicht um eine häuslich Strafe, sondern sie besteht darauf, daß die Züchtigung vor 3 Zeugen ausgeführt werden muß, ohne deren Anwesenheit auch eine spätere Hinrichtung nicht erfolgen kann. Die Züchtigung stellt somit eine öffentliche Angelegenheit dar.
Hinzukommt, daß der Bereich der unter dieses Gebot fällt weiter eingeschränkt wird. So heißt es:

"Von wann an wird er zu einem ungehorsamen und widerspenstigen Sohn? Von da an wenn er zwei Barthaare hervorbringt. [...] Das meint einen Sohn und nicht einen Mann (der bereits einen Vollbart hat). Der Minderjährige (unter 13 1/2 Jahren) ist frei."


Zudem finden sich andere Einschränkungen (Das Vergehen wird auf das "Schlemmen und Saufen" eingeschränkt (da die Eltern diesen Vorwurf in der Bibel vorbringen), zudem muß er Vater UND Mutter in der Angelegenheit gleichermaßen betroffen sein (da die Bibel beide nennt), so daß jeder Elternteil gewissermaßen ein Veto gegen die Strafe einlegen kann).
Nach diesen Einschränkungen, ergibt sich, daß sich kaum mehr eine Gelegenheit für die Ausführung der Vorschrift finden dürfte. Ein Freibrief für Willkür ist dies nicht.

Wie gesehen haben, betonen die zwei normativen Bibelübersetzungen (T. Onkelos und T. Jonatan) stark entgegengesetzte mögliche Bedeutungen des "züchtigens". Dies ist nicht das Ergebnis des Zeitgeistes, sondern schlicht der NICHTFESTLEGUNG durch Gott in der Torah.

Die wesentlichen Stellen, die eine Züchtigung druch Gewalt (mit Ruten) zu gebieten scheinen finden sich im Buch der Sprüche. Dazu sei klar gesagt:
Die Gebote und Verbote kommen aus der Torah. Die Sprüche Salomos stellen keine verbindlichen Regeln oder Gebote Gottes dar, denn Gott gebot am Sinai. Kein Jude würde und hat je ernsthaft versucht das dreißig Kapitel umfassende Buch, das sich auf die Weisheit König Salomos beruft zu einem normativen Regelwerk aufzubauen. Vielmehr müßte man sich fragen, ob einige von Salomos Vorschläge und Empfehlungen nicht eher die Herzenshärtigkeit der Menschen widerspiegeln und ihnen entgegenkommen (vgl. Jesu Wort über die Erlaubnis eines Scheidebriefs in der Torah), als Gottes Willen.

Demgegenüber soll noch ein anderes Beispiel gegeben werden, an dem sich zeigen könnte, wie Gott sich Erziehung von Kindern durch ihre Eltern vorstellt. Er gibt dieses Beispiel anhand seiner eigenen (sic!) Erziehung der Kinder Israel in 5. Mose 8:

"Und du sollst an den ganzen Weg denken, den der HERR, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste hat wandern lassen, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.
Und er demütigte dich und ließ dich hungern. Und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dich erkennen zu lassen, daß der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht, lebt der Mensch.
Deine Kleidung an dir ist nicht verschlissen, und dein Fuß ist nicht geschwollen diese vierzig Jahre. So erkenne in deinem Herzen, daß der HERR, dein Gott, dich erzieht wie ein Mann seinen Sohn erzieht!


Nehemia 9 greift diese Beschreibung auf und wird dabei noch überschwänglicher, was die Gnade und Barmherzigkeit und die Kürze von Gottes Zorn angesichts schlimmster Untaten betrifft:

"Sogar als sie sich ein gegossenes Kalb machten und sagten: Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten heraufgeführt hat - und große Lästerungen verübten, hast {du} in deinen großen Erbarmungen sie doch nicht in der Wüste verlassen. Die Wolkensäule wich nicht von ihnen bei Tag, um sie auf dem Weg zu leiten, noch die Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten. Und deinen guten Geist hast du gegeben, um sie zu unterweisen. Und dein Manna hast du ihrem Mund nicht vorenthalten, und du gabst ihnen Wasser für ihren Durst. Und vierzig Jahre lang hast du sie in der Wüste versorgt, sie entbehrten nichts. Ihre Kleider zerschlissen nicht, und ihre Füße schwollen nicht ."


Das Volk Israel ist hier im übertragenden Sinne ein gutes Beispiel eines widerspenstigen Sohnes. Zwar lassen sich die Verhältnisse eine Volkes zu seinem Gott nicht auf die von Individuen untereinander übertragen und schon gar nicht daraus ein Gebot konstruieren. Klar sollte aber sein, daß Gott sich selbst - gerade am Beispiel seiner Wüstenwanderung als ein Gott des "weichen Herzens" erweist, der seine eigenen Ankündigungen - etwa der Vernichtung des Volkes nachdem es das Goldene Kalb gemacht hatte - immer wieder widerruft, seine eigenen harten Gebote also nicht zur gnadenlosen Ausführung bringt.

Dies zum Nachdenken.
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